Praxis-Website Relaunch: Ablauf & Zeitplan
Ein Praxis-Website Relaunch scheitert selten am Design, sondern am Ablauf: unklare Zuständigkeiten, fehlende Texte, ein Livegang ohne Weiterleitungen. Dieser Leitfaden zeigt die sechs Phasen, einen realistischen Zeitplan und genau die Stellen, an denen Ihre Ordination mitarbeiten muss.
Von Klaax ·
Die meisten Ordinationen unterschätzen beim Praxis-Website Relaunch nicht den Aufwand der Agentur, sondern den eigenen. Design und Programmierung laufen planbar; ins Stocken gerät ein Projekt fast immer dort, wo Texte freigegeben, Fotos gemacht oder Zugangsdaten gesucht werden müssen. Wer den Ablauf vorher kennt, plant seine eigene Beteiligung in Blöcke — und ist in zehn statt in dreißig Wochen live.
Wann sich ein Relaunch für die Ordination wirklich lohnt — und wann Nachbessern reicht
Ein Relaunch ist die richtige Entscheidung, wenn die Grundlagen nicht mehr tragen. Typische Auslöser:
- Die Seite ist am Smartphone nur mit Zoomen bedienbar. Der überwiegende Teil der Patientenanfragen kommt heute mobil.
- Das System dahinter bekommt keine Sicherheitsupdates mehr, oder niemand kann Inhalte pflegen, ohne den Entwickler zu rufen.
- Die Struktur bildet Ihr Leistungsspektrum nicht ab: Alle Behandlungen stehen auf einer einzigen Seite, jede Leistung braucht aber eine eigene, damit sie überhaupt gefunden werden kann.
- Etwas Grundlegendes hat sich geändert — Übersiedlung, Wechsel zwischen Kassen- und Wahlarztordination, neue Gruppenpraxis, zusätzliche Fachrichtung im Haus.
- Online-Terminbuchung lässt sich technisch nicht sauber einbinden.
Nachbessern genügt, wenn die Struktur steht und nur Einzelteile schwach sind: langsame Ladezeiten, veraltete Ordinationszeiten, fehlende Leistungsseiten, ein unvollständiges Impressum, ein vernachlässigtes Google-Unternehmensprofil. Das sind Wartungs- und Contentaufgaben, keine Neubauprojekte.
Eine brauchbare Faustregel: Wenn Sie mehr als die Hälfte der Seiten ohnehin neu schreiben und zusätzlich die Navigation neu schneiden müssten, ist der Relaunch der günstigere Weg — sonst zahlen Sie zweimal.
Praxis-Website Relaunch: der Ablauf in sechs Phasen
Phase 1 — Bestandsaufnahme und Zielbild
Was leistet die bestehende Seite heute? Welche Seiten bringen Besucher, welche Suchanfragen führen zu Ihnen, welche Anfragen kommen tatsächlich an? Parallel wird festgelegt, was die neue Seite leisten soll: mehr Terminbuchungen, weniger Telefonate für Standardfragen, Sichtbarkeit für eine bestimmte Leistung, Bewerbungen für eine offene Assistenzstelle. Ohne dieses Zielbild wird der Relaunch eine Geschmacksfrage.
Phase 2 — Struktur und Seitenplan
Hier entsteht die Sitemap: welche Seiten es gibt, wie sie heißen, welche Suchintention jede einzelne bedient. Für Ordinationen heißt das meist: eine Seite je relevanter Leistung, eine je Standort, dazu Team, Ordinationszeiten, Anfahrt, Erstbesuch und Kontakt. Diese Phase entscheidet über die spätere Auffindbarkeit mehr als jedes Designdetail.
Phase 3 — Design
Entwürfe für Startseite, eine Leistungsseite und eine Standardseite genügen, um Bildsprache, Typografie und Farbwelt zu klären. Alle weiteren Seiten folgen dem Muster. Wichtig ist die Freigabe in einem Zug: Jede zusätzliche Feedbackrunde verschiebt den Livegang um ein bis zwei Wochen.
Phase 4 — Inhalte und Umsetzung
Texte, Fotos und Programmierung laufen parallel. Hier braucht es die meiste Mitarbeit aus der Ordination — dazu gleich mehr.
Phase 5 — Prüfung und Freigabe
Die Seite steht auf einer Testadresse. Geprüft werden Inhalte, Rechtstexte, Datenschutz-Einstellungen, Formulare, Terminbuchung, Darstellung auf Mobilgeräten und die Weiterleitungsliste.
Phase 6 — Livegang und Nachlauf
Umschalten, technische Kontrolle, Monitoring. Der Relaunch endet nicht mit dem Livegang, sondern etwa vier Wochen danach.
Was Sie als Ordination zuliefern müssen — und wie viel Zeit das realistisch kostet
Planen Sie diese Blöcke aktiv in den Ordinationsalltag ein, sonst verteilen sie sich über Monate:
- Fachliche Inhalte je Leistung. Sie liefern die Substanz, die Agentur die Form. Ein strukturiertes Gespräch oder eine Sprachnotiz pro Leistungsbereich reicht meist aus — rechnen Sie mit etwa 20 bis 30 Minuten je Bereich.
- Fototermin. Ordination, Team, Behandlungsräume. Ein halber Tag, terminlich am besten an einem ordinationsfreien Nachmittag. Bilddatenbank-Fotos wirken bei Ärzt:innen erkennbar austauschbar.
- Organisatorische Angaben. Ordinationszeiten, Kassenverträge, Wahlarztregelung, Terminvergabe, Erstbesuch-Ablauf, Vertretungsregelung, Parkmöglichkeiten und Anfahrt.
- Zugangsdaten. Domain-Verwaltung, bestehendes Hosting, E-Mail-Postfächer, Google-Unternehmensprofil, bestehendes Termin-Tool. Erfahrungsgemäß der häufigste Verzögerungsgrund — klären Sie früh, wer diese Zugänge hat.
- Freigaben. Legen Sie fest, wer entscheidet. Ein Freigeber verkürzt das Projekt spürbar; drei gleichberechtigte Meinungen verlängern es.
- Titel- und Qualifikationsnachweise. Welche Diplome, Zusatzbezeichnungen und Facharzttitel geführt werden dürfen, muss belegbar sein.
In Summe: etwa acht bis zwölf Stunden Ihrer Zeit, verteilt über die Projektlaufzeit — bei einer Gruppenpraxis entsprechend mehr.
Wie lange dauert ein Website-Relaunch für eine Arztpraxis?
Für eine Einzelordination mit sechs bis zwölf Seiten ist ein Zeitraum von acht bis zwölf Wochen ein realistischer Ansatz. Gruppenpraxen, mehrere Standorte, zweisprachige Seiten oder eine tief integrierte Terminbuchung verschieben das eher Richtung zwölf bis sechzehn Wochen.
Entscheidend ist nicht die Programmierung, sondern der kritische Pfad: Fototermin, fachliche Zulieferung und Freigaben. Verzögert sich der Fototermin um drei Wochen, verzögert sich der Livegang um drei Wochen. Umgekehrt sind acht Wochen erreichbar, wenn Inhalte und Bilder zu Projektbeginn bereitstehen.
Ein praktischer Hinweis zur Terminwahl: Legen Sie den Livegang nicht auf den Tag vor Ihrem Urlaub. Die ersten Tage danach brauchen Aufmerksamkeit.
Inhalte übernehmen, überarbeiten, streichen: die Entscheidung pro Seite
Gehen Sie die bestehende Seitenliste durch und ordnen Sie jede Seite genau einer Kategorie zu:
- Übernehmen — Seite funktioniert, Inhalt ist aktuell und korrekt. URL beibehalten, Text nur formal anpassen.
- Überarbeiten — Thema ist richtig, Inhalt dünn oder veraltet. Gleiche URL, neuer Text. Das ist der häufigste Fall.
- Zusammenlegen — mehrere kurze Seiten zum selben Thema konkurrieren miteinander. Eine gute Seite schlägt drei schwache; die aufgelösten Adressen werden dauerhaft auf die neue weitergeleitet.
- Streichen — Aktionen von vorgestern, leere Platzhalterseiten, Inhalte ohne jede Nachfrage. Auch hier gilt: weiterleiten, nicht ins Leere laufen lassen.
Alles, was Sichtbarkeit hatte, verdient eine bewusste Entscheidung. Die technische Seite dieses Schritts — Weiterleitungsplan, URL-Struktur, Indexierung — ist in unserer Relaunch-Checkliste für SEO im Detail beschrieben.
Werberecht beim Relaunch: welche alten Formulierungen Sie jetzt prüfen sollten
Der Relaunch ist der beste Zeitpunkt, um Formulierungen zu bereinigen, die über die Jahre hineingerutscht sind. Ärzt:innen in Österreich unterliegen mit § 53 ÄrzteG und der Werberichtlinie der Österreichischen Ärztekammer strengeren Regeln als andere Unternehmen: Information muss sachlich, wahr und mit dem Ansehen des Berufsstandes vereinbar sein.
Prüfen Sie beim Durchgehen der Bestandstexte insbesondere:
- Superlative und Alleinstellungen wie „führend”, „beste Betreuung”, „Nummer eins” — sachlich nicht belegbar und damit heikel.
- Vergleiche mit Kolleg:innen oder herabsetzende Aussagen über andere Behandlungsmethoden.
- Vorher-Nachher-Bilder und Darstellungen, die auf einen Behandlungserfolg schließen lassen.
- Preisaktionen, Rabatte und Pauschalangebote — anpreisende Elemente sind der klarste Konfliktfall.
- Dankschreiben und Patientenstimmen auf der eigenen Seite.
- Titel, Diplome und Zusatzbezeichnungen: Nur führen, was tatsächlich verliehen wurde und in dieser Form geführt werden darf. „Spezialist für …” ohne entsprechende Grundlage ist ein häufiger Fehler in Bestandstexten.
Für Zahnärzt:innen gelten die Vorgaben der Österreichischen Zahnärztekammer analog. Im Zweifelsfall gibt Ihre Kammer Auskunft — schneller und verbindlicher als jede Agentur. Was in Österreich erlaubt ist und wo sich deutsche Regeln unterscheiden, haben wir unter Werberecht für Ärzt:innen zusammengefasst.
Zweiter Rechtsblock: Datenschutz. Kontaktformulare, Terminbuchung und Analyse-Werkzeuge verarbeiten Daten, die im Gesundheitsbereich besonders sensibel sind. Verträge zur Auftragsverarbeitung mit Hoster und Termin-Tool, ein funktionierender Consent-Dialog und lokal eingebundene Schriften gehören zur Abnahme, nicht auf eine Nachliste.
Rankings und Termin-Tool sichern: die technischen Punkte vor dem Umschalten
Diese Punkte gehören abgehakt, bevor die neue Seite unter Ihrer Domain erreichbar ist:
- Vollständige Weiterleitungsliste: jede alte Adresse zeigt dauerhaft auf ihr inhaltliches Gegenstück, nicht pauschal auf die Startseite.
- Die Sperre für Suchmaschinen von der Testumgebung entfernt — vergessen wird sie öfter, als man glaubt.
- Neue Sitemap erstellt und in der Google Search Console eingereicht.
- Terminbuchung mit einem echten Testtermin geprüft, inklusive Bestätigungsmail und Absage.
- Kontaktformular an die richtige Adresse zugestellt, Eingang im Postfach kontrolliert.
- Name, Adresse und Telefonnummer stimmen exakt mit dem Google-Unternehmensprofil überein.
- SSL-Zertifikat aktiv, alte Verweise auf unverschlüsselte Adressen bereinigt.
Nach dem Livegang: was in den ersten Wochen messbar sein muss
Erste Woche: Werden die neuen Seiten indexiert? Laufen Anfragen und Terminbuchungen ein? Tauchen Fehlerseiten auf, weil eine Weiterleitung fehlt? Diese drei Fragen entscheiden, ob nachgebessert werden muss.
Zweite bis vierte Woche: Sichtbarkeit stabilisiert sich. Leichte Schwankungen der Positionen sind nach einem Relaunch normal, solange Struktur und Weiterleitungen sauber sind. Ein anhaltender Einbruch über mehrere Wochen ist es nicht — dann fehlt in der Regel eine Weiterleitung oder eine Seite ist versehentlich von der Indexierung ausgeschlossen.
Nach vier bis acht Wochen: Vergleichen Sie Anfragen, Terminbuchungen und Anrufe mit dem Zeitraum vor dem Relaunch. Das ist die Kennzahl, die für Ihre Ordination zählt — nicht die Zahl der Besucher.
Wer das nicht händisch beobachten will: In der Klaax SEO Suite laufen Rankings, technische Fehler und Sichtbarkeit in einem Dashboard zusammen, mit echten Daten aus der Google Search Console statt geschätzter Werte.
Klaax begleitet Ordinationen in Wien durch genau diesen Ablauf — von der Struktur über Werberechts- und Datenschutzprüfung bis zum Monitoring nach dem Umschalten. Einen Überblick über unsere Arbeit für Ärzt:innen finden Sie unter Praxismarketing Wien.