Generative Engine Optimization: KI-Sichtbarkeit
Generative Engine Optimization sorgt dafür, dass ChatGPT, Gemini, Perplexity und Googles KI-Übersichten Ihr Unternehmen oder Ihre Ordination als Quelle nennen. Dieser Leitfaden erklärt, was davon wirklich neu ist und was gutes SEO schon immer verlangt hat.
Von Klaax ·
Wer heute eine Frage stellt, bekommt oft keine Liste mit zehn Links mehr. Sie bekommt eine fertig formulierte Antwort. Google blendet KI-Übersichten über den Suchergebnissen ein, und viele Menschen fragen direkt ChatGPT, Gemini oder Perplexity. Generative Engine Optimization (kurz GEO) heißt die Disziplin, die dafür sorgt, dass Ihre Website in diesen Antworten vorkommt: als zitierte Quelle, als Empfehlung oder zumindest als korrekt beschriebene Marke.
Die gute Nachricht vorweg: Wenn Ihre Website technisch sauber ist und Ihre Inhalte gut sind, haben Sie den größten Teil der Arbeit schon erledigt. GEO ersetzt SEO nicht. Es baut darauf auf.
Was ist Generative Engine Optimization – und wie unterscheidet sie sich von klassischem SEO?
Der Begriff stammt aus einem Forschungspapier, das 2023 von Wissenschaftler:innen der Princeton University und weiteren Institutionen veröffentlicht wurde. Die Autor:innen untersuchten, wie sich Inhalte verändern lassen, damit generative Suchsysteme sie häufiger und prominenter als Quelle verwenden.
Der Unterschied zu klassischem SEO liegt vor allem im Ergebnis:
- Klassisches SEO zielt auf eine gute Position in einer Trefferliste. Erfolg heißt: Die Nutzerin klickt auf Ihren Link.
- Generative Engine Optimization zielt darauf, dass ein KI-System Ihre Inhalte für seine Antwort verwendet, Ihre Seite verlinkt oder Ihren Namen nennt. Manchmal gibt es dabei gar keinen Klick, weil die Antwort schon reicht.
Das Handwerk dahinter überschneidet sich stark. Wer gefunden, gecrawlt und verstanden wird, hat auch bei KI-Systemen die besseren Karten. Neu ist vor allem, wie Inhalte aufgebaut sein müssen, damit sich eine Maschine einzelne Aussagen sauber herausnehmen kann.
Wie KI-Assistenten Antworten zusammenstellen: Quellen, Zitate und Marken-Erwähnungen
Vereinfacht gibt es zwei Wege, auf denen Ihre Inhalte in eine KI-Antwort gelangen.
1. Trainingswissen. Sprachmodelle lernen aus großen Textmengen. Was über Ihr Unternehmen breit und einheitlich im Netz steht, kann ins Modell einfließen. Das lässt sich kaum gezielt steuern und ist oft veraltet.
2. Live-Recherche. Assistenten wie ChatGPT mit Websuche, Perplexity oder Googles KI-Übersichten durchsuchen bei vielen Fragen das Web in Echtzeit. Sie wählen passende Seiten aus, lesen relevante Abschnitte und fassen sie zusammen. Meist verlinken sie die verwendeten Quellen. Genau hier setzt GEO an.
Für die Live-Recherche greifen die Systeme auf Suchindizes und eigene Crawler zurück. Wer in der klassischen Suche nicht auftaucht, wird deshalb auch selten als Quelle ausgewählt. Dazu kommen Marken-Erwähnungen: Nennen Branchenverzeichnisse, Fachportale oder Bewertungsplattformen Ihr Unternehmen im passenden Zusammenhang, hat das System mehr Belege dafür, Sie zu empfehlen.
Die Basis bleibt SEO: Technik, Struktur und strukturierte Daten als Voraussetzung
Bevor ein KI-System Ihre Inhalte zitieren kann, muss es sie abrufen und lesen können. Das klingt banal, scheitert in der Praxis aber oft an Kleinigkeiten:
- Indexierbarkeit: Seiten dürfen nicht versehentlich per
noindexoder robots.txt gesperrt sein. - Server-seitig ausgelieferter Text: Manche Crawler führen JavaScript nur eingeschränkt oder gar nicht aus. Inhalte, die erst im Browser nachgeladen werden, sehen sie dann nicht.
- Ladezeit und Stabilität: Langsame oder fehleranfällige Seiten werden seltener und weniger vollständig erfasst.
- Saubere Überschriften-Struktur: Eine logische H2/H3-Gliederung hilft Maschinen, einzelne Abschnitte einem Thema zuzuordnen.
Diese Punkte gehören zum technischen SEO und sind kein Sonderwissen für KI. Eine Website, die hier schwächelt, verliert in der Google-Suche genauso wie in ChatGPT. Wie die einzelnen SEO-Disziplinen zusammenspielen, zeigt unsere Übersicht zur SEO-Betreuung in Wien.
Inhalte, die KI-Systeme zitieren: klare Antworten, Fakten, Fachautor:innen
KI-Systeme suchen Textstellen, die eine Frage direkt und verlässlich beantworten. Daraus ergeben sich einige konkrete Schreibregeln:
- Die Antwort zuerst. Beginnen Sie einen Abschnitt mit dem Kern der Aussage und erklären Sie danach. Ein Absatz, der mit „Die Erstordination dauert in unserer Praxis rund eine Stunde“ beginnt, lässt sich besser zitieren als drei Sätze Einleitung.
- Fragen als Überschriften. Überschriften, die so formuliert sind, wie Menschen fragen, passen gut zu den Anfragen an KI-Assistenten.
- Konkrete, überprüfbare Fakten. Adresse, Öffnungszeiten, Leistungen, Kassenverträge, Ablauf und Voraussetzungen. Je eindeutiger die Angabe, desto weniger muss das System raten.
- Erkennbare Urheberschaft. Nennen Sie, wer den Text verantwortet, mit Qualifikation und Funktion. Für Gesundheitsthemen achten sowohl Google als auch KI-Systeme besonders darauf, ob Inhalte von fachkundigen Personen stammen.
- Aktualität. Ein sichtbares Datum der letzten Überarbeitung und regelmäßig gepflegte Inhalte zeigen, dass die Information noch stimmt.
Für Ordinationen gilt dabei eine zusätzliche Grenze. Was auf Ihrer Website steht, ist ärztliche Information und unterliegt dem Werberecht. Sachliche, überprüfbare Angaben sind erlaubt und genau das, was KI-Systeme bevorzugen. Unsachliche oder irreführende Aussagen, etwa Erfolgsgarantien, sind für Ärzt:innen dagegen nicht zulässig, und daran ändert auch GEO nichts. Was konkret gilt, fasst unser Beitrag zum Werberecht für Ärzt:innen in Österreich zusammen. Für Leser:innen aus der Ordination ist das die eigentlich gute Nachricht: Seriöse Inhalte sind hier zugleich die wirksamsten.
llms.txt, Crawler-Zugriff und Schema-Markup: die technischen Stellschrauben
Neben guten Inhalten gibt es drei technische Hebel, die speziell für KI-Sichtbarkeit diskutiert werden.
Crawler-Zugriff in der robots.txt
Die großen KI-Anbieter betreiben eigene Crawler, etwa GPTBot und OAI-SearchBot von OpenAI, ClaudeBot von Anthropic oder PerplexityBot. In der robots.txt Ihrer Website legen Sie fest, welche davon Ihre Seiten abrufen dürfen.
Dabei lohnt ein genauer Blick. Manche Website-Baukästen, Sicherheits-Plugins oder Hosting-Firewalls blockieren solche Bots ohne Ihr Wissen. Umgekehrt ist es eine bewusste Entscheidung, ob Sie Ihre Inhalte für das Training von Modellen freigeben wollen. Bei einigen Anbietern lässt sich Training getrennt von der Live-Suche steuern. Bei Google etwa regelt die Angabe Google-Extended die Nutzung für Gemini-Modelle, nicht aber die Darstellung in der normalen Suche.
llms.txt
Die llms.txt ist ein 2024 vorgeschlagener Standard: eine einfache Textdatei im Stammverzeichnis Ihrer Website, die KI-Systemen in kompakter Form sagt, welche Seiten die wichtigsten sind und worum es darin geht. Sie ist schnell erstellt und schadet nicht.
Ihre Wirkung sollten Sie trotzdem nüchtern einschätzen. Ob und wie stark die großen Anbieter die Datei auswerten, ist bislang nicht belegt. Wir behandeln sie deshalb als sinnvolle Ergänzung, nicht als Hebel.
Strukturierte Daten (Schema-Markup)
Strukturierte Daten sind maschinenlesbare Zusatzinformationen im Quelltext nach dem Standard schema.org. Sie sagen einer Suchmaschine ausdrücklich: Das ist eine Arztpraxis, das sind die Öffnungszeiten, das ist die verantwortliche Ärztin. Für Ordinationen und lokale Betriebe sind vor allem diese Typen relevant:
LocalBusinessbeziehungsweise spezifischere Typen wieMedicalClinicoderPhysicianPersonfür Inhaber:innen und Autor:innenFAQPagefür Frage-Antwort-BereicheArticlemit Autor:in und Datum für Ratgebertexte
Wichtig ist, dass die Daten mit dem sichtbaren Seiteninhalt übereinstimmen. Widersprüche schwächen das Vertrauen der Systeme eher, als dass sie helfen.
Lokale Sichtbarkeit in KI-Antworten: Google-Unternehmensprofil, Bewertungen und Wien-Bezug
Viele Fragen an KI-Assistenten sind lokal: „Welche Kinderärztin im 9. Bezirk nimmt neue Patient:innen?“ oder „Guter Steuerberater in Wien-Neubau?“. Für solche Antworten ziehen die Systeme vor allem Quellen heran, die einen Ort eindeutig belegen.
Die wichtigsten sind:
- Google-Unternehmensprofil: vollständig, mit korrekter Kategorie, aktuellen Öffnungszeiten, Leistungen und Fotos. Gerade in den KI-Übersichten von Google spielt es eine zentrale Rolle.
- Einheitliche Angaben überall: Name, Adresse und Telefonnummer sollten auf Website, Google, Verzeichnissen und Plattformen wie Docfinder identisch sein.
- Bewertungen: Ihre Anzahl, Aktualität und der Inhalt der Texte prägen, wie ein System Ihr Angebot beschreibt. Bewertungen dürfen Sie aktiv erbitten, aber nicht kaufen oder mit Gegenleistungen belohnen. Das verbieten die Richtlinien der Plattformen, und für Ordinationen kommen berufsrechtliche Grenzen hinzu.
- Klarer Wien-Bezug auf der Website: Bezirk, Erreichbarkeit mit Öffis, Grätzl. Unsere Daten aus Kund:innen-Websites zeigen, dass Patient:innen sehr konkret nach Fach, Bezirk und Kasse suchen. Diese Angaben gehören gut sichtbar auf die Seite.
Wie Sie diese Grundlagen systematisch aufbauen, beschreibt unsere Seite zu Local SEO. Für KI-Antworten gilt dasselbe Prinzip wie für die Kartensuche: Wer eindeutig einem Ort zugeordnet ist, wird für diesen Ort empfohlen.
Brauchen KMU und Ordinationen jetzt eine eigene GEO-Strategie?
Für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen und für Ordinationen lautet die ehrliche Antwort: nicht als separates Projekt. Eine eigene GEO-Strategie neben der SEO-Strategie würde Budget doppelt binden, ohne doppelt zu wirken.
Sinnvoller ist es, die bestehende Arbeit um die KI-Perspektive zu erweitern:
- Technik prüfen: Sind KI-Crawler ungewollt gesperrt? Wird der Text ohne JavaScript ausgeliefert?
- Kerninhalte schärfen: Beantworten Ihre wichtigsten Seiten die typischen Fragen Ihrer Kund:innen oder Patient:innen direkt und konkret?
- Urheberschaft sichtbar machen: Wer steht hinter den Inhalten, mit welcher Qualifikation?
- Lokale Signale pflegen: Unternehmensprofil, Verzeichniseinträge, Bewertungen.
- Strukturierte Daten ergänzen und bei Gelegenheit eine llms.txt anlegen.
Wer diese Punkte abgearbeitet hat, ist für Google und für KI-Assistenten gut aufgestellt. Eine spezialisierte GEO-Strategie lohnt sich eher für Unternehmen, die überregional um stark umkämpfte Informationsthemen konkurrieren.
GEO messen: Was sich heute schon prüfen lässt und wo die Grenzen liegen
Beim Messen ist Ehrlichkeit wichtig, denn hier ist die Datenlage dünner als bei klassischem SEO. Es gibt keine offizielle Statistik, die zeigt, wie oft ChatGPT Ihre Website erwähnt. Antworten von KI-Systemen schwanken außerdem je nach Formulierung, Zeitpunkt und Nutzer:in.
Was sich heute schon prüfen lässt:
- Technischer GEO-Check: Ist die Website für KI-Crawler zugänglich, sind strukturierte Daten vorhanden, gibt es eine llms.txt? Diese Kriterien lassen sich objektiv prüfen.
- Verweis-Traffic in der Webanalyse: Besuche, die von chatgpt.com, perplexity.ai oder ähnlichen Diensten kommen, sind in vielen Analyse-Tools als eigene Quelle sichtbar.
- Google Search Console: Klicks und Impressionen aus der Google-Suche, zu der auch die KI-Übersichten gehören. Eine eigene Auswertung nur für KI-Übersichten bietet Google derzeit nicht.
- Stichproben: Stellen Sie den Assistenten regelmäßig die Fragen, die Ihre Kund:innen stellen würden, und dokumentieren Sie, ob und wie Sie genannt werden.
In der Klaax SEO Suite sehen unsere Kund:innen Rankings, Search-Console-Daten und das technische Site-Audit in einem deutschsprachigen Dashboard, ergänzt um die GEO-relevanten Prüfpunkte. So bleibt nachvollziehbar, was sich an Ihrer Sichtbarkeit verändert, in der klassischen Suche ebenso wie dort, wo Antworten künftig immer öfter von einer KI kommen.