Corporate Design für Gemeinschaftspraxen: Einheit schaffen
Das Dilemma der vielen Köche: Wenn drei Ärzte ein Logo wollen
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Konferenzraum. Auf der einen Seite Dr. Müller, der konservative Kardiologe, der Seriosität und Tradition – am liebsten in Dunkelblau – ausstrahlen möchte. Ihm gegenüber sitzt Dr. Bauer, eine junge Dermatologin mit Fokus auf Ästhetik, die Pastelltöne und modernes Minimalismus-Design bevorzugt. Und dann ist da noch Dr. Klein, der Allgemeinmediziner, der vor allem „nahbar“ wirken will und Comic Sans für eine freundliche Schriftart hält.
Willkommen in der Realität vieler Gemeinschaftspraxen in Wien und Umgebung. Hier treffen nicht nur unterschiedliche Fachrichtungen aufeinander, sondern auch verschiedene Geschmäcker, Visionen und Egos.
Das Resultat ist oft ein visueller Kompromiss, der niemanden glücklich macht – und schlimmstenfalls die Patienten verwirrt. Ein zusammengeschustertes Logo, eine Website, die wie ein Flickenteppich wirkt, und ein Wartezimmer, das keine klare Linie erkennen lässt. Dabei ist gerade in der Gemeinschaftspraxis ein starkes Corporate Design (CD) der entscheidende Wirtschaftsfaktor.
Wir bei Klaax wissen: Eine Gruppenpraxis ist wie ein Orchester. Es braucht verschiedene Instrumente, aber alle müssen dieselbe Symphonie spielen. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie wir dieses harmonische Zusammenspiel visuell und strategisch gestalten.
Warum eine „Dachmarke“ für Ärzte unverzichtbar ist
Viele Ärzte machen den Fehler, das Corporate Design als rein „hübsche Dekoration“ abzutun. Doch in einer Stadt wie Wien, wo die Dichte an niedergelassenen Medizinern hoch ist, dient das Design vor allem einem Zweck: Orientierung und Vertrauen.
Wenn Patienten Ihre Praxis betreten oder Ihre Website besuchen, müssen sie innerhalb von Millisekunden verstehen:
- Wer sind wir? (Die Einheit)
- Was bieten wir an? (Das Spektrum)
- Warum sind wir hier sicher? (Die Kompetenz)
Der „Halo-Effekt“ im Praxismarketing
Eine starke Dachmarke sorgt für den sogenannten Halo-Effekt: Das Vertrauen, das ein Patient zu Dr. Müller hat, strahlt automatisch auf Dr. Bauer ab, wenn beide visuell als Einheit auftreten. Ein professionelles Corporate Design signalisiert: „Hier arbeiten Experten hand in Hand. Hier gibt es Qualitätsstandards, die für alle gelten.“
Fehlt diese visuelle Klammer, wirkt die Praxisgemeinschaft eher wie eine Bürogemeinschaft zweier Einzelkämpfer, die sich zufällig die Miete teilen. Das mindert das Cross-Selling-Potenzial (z.B. die Überweisung vom Hausarzt zum internen Spezialisten) erheblich.
Die Strategie: Einheit in der Vielfalt (Unity in Diversity)
Wie lösen wir bei Klaax nun das Problem der unterschiedlichen Geschmäcker? Die Antwort liegt nicht im „demokratischen Design“ (wo jeder ein bisschen Recht bekommt und das Ergebnis mittelmäßig ist), sondern in einem strategischen Design-System.
1. Die gemeinsame Basis definieren
Bevor wir den ersten Pixel setzen, müssen wir die gemeinsame DNA der Praxis herausarbeiten. In unseren virtuellen Workshops fragen wir:
- Welche Werte teilen alle Partner? (z.B. Innovation, Zeit für Patienten, technische Exzellenz)
- Wie ist die Atmosphäre in der Praxis? (Herzlich, steril-clean, exklusiv?)
- Wer ist die Wunschzielgruppe? (Junge Familien aus Floridsdorf, Privatpatienten aus der City, Senioren?)
Diese Basis definiert die „Dachmarke“. Sie steht über den einzelnen Ärzten.
2. Das modulare Design-System
Anstatt ein starres Korsett zu schaffen, entwickeln wir ein flexibles System. Das Corporate Design einer Gemeinschaftspraxis muss atmen können. Wir arbeiten hier oft mit einem Primär- und Sekundär-Farbcode.
Ein Beispiel aus der Praxis:
Die Dachmarke der Praxis erhält ein neutrales, vertrauenerweckendes Dunkelgrün als Hauptfarbe (steht für Gesundheit und Ruhe).
Jeder Fachbereich oder jeder Arzt bekommt jedoch eine eigene Akzentfarbe (Sekundärfarbe):
- Kardiologie: Ein dezentes, warmes Rot.
- Dermatologie: Ein frisches Apricot oder Sandton.
- Allgemeinmedizin: Ein beruhigendes Blau.
Der Clou dabei: Auf der Website und im Wartezimmer dominiert das Dunkelgrün (die Einheit). Aber auf den Visitenkarten, den Namensschildern oder den Türschildern der Behandlungsräume taucht die individuelle Akzentfarbe auf. So behält jeder Arzt seine Identität, ohne das Gesamtbild zu sprengen.
Die Website: Der digitale Empfangsbereich
Da wir bei Klaax auf Praxismarketing und Webdesign für Ärzte spezialisiert sind, sehen wir oft Websites von Gemeinschaftspraxen, die an Usability-Katastrophen grenzen. Oft wird versucht, alle Namen der Partner schon in den Header oder das Logo zu quetschen. Das ist aus SEO-Sicht und für die Nutzerführung tödlich.
Struktur vor Ego
Eine conversion-starke Website für eine Gemeinschaftspraxis benötigt eine klare Hierarchie:
- Startseite: Hier präsentiert sich die Praxis als Institution. Das „Wir“ steht im Vordergrund. Die USPs der *Gemeinschaft* werden kommuniziert (z.B. „Rundum-Versorgung unter einem Dach“, „Lange Öffnungszeiten durch Schichtsystem“).
- Team-Seite / Ärzte-Profile: Das ist der Raum für die Individualität. Jeder Arzt erhält eine eigene Unterseite (Landingpage). Hier darf die persönliche Ansprache, der individuelle Lebenslauf und die spezifische Fachkompetenz glänzen. Hier greifen wir auch das Farbschema des jeweiligen Arztes subtil wieder auf.
- Leistungsseiten: Diese sollten fachlich und lösungsorientiert sein, aber immer auf die durchführenden Ärzte verlinken.
Dieses Vorgehen ist auch für die Suchmaschinenoptimierung (SEO) essenziell. Google muss verstehen, dass die Website für mehrere Fachgebiete (Keywords) relevant ist. Durch unsere spezialisierten SEO-Pakete sorgen wir dafür, dass die Kardiologin für „Herzspezialist Wien“ rankt, während der Kollege für „Hautarzt Wien“ gefunden wird – alles über dieselbe Domain.
Logo-Entwicklung: Abstraktion schlägt Namenslisten
Ein häufiger Streitpunkt: Soll das Logo aus den Namen der Ärzte bestehen? „Dr. Müller, Dr. Bauer & Dr. Klein“?
Unsere klare Empfehlung als Webagentur: Nein.
Warum? Namen ändern sich. Partner scheiden aus, neue kommen hinzu, jemand heiratet. Jedes Mal das Logo, die Briefbögen und die Außenbeschilderung ändern zu müssen, ist teuer und schadet dem Wiedererkennungswert.
Wir raten zu abstrakten Bildmarken oder einem Phantasienamen bzw. einer Standort-Bezeichnung (z.B. „Gesundheitszentrum Floridsdorf“ oder „Praxis am Donaukanal“), kombiniert mit einem starken grafischen Symbol. Dieses Symbol sollte die Synergie der Gemeinschaft darstellen (z.B. ineinandergreifende Formen). Das macht Ihre Marke zukunftssicher und investitionsstabil.
Typografie und Bildsprache: Die unterschätzten Helden
Schriften (Typografie)
Hier darf es keine Kompromisse geben. Die Schriftart ist die Stimme Ihrer Praxis. In einer Gemeinschaftspraxis nutzen wir oft eine Kombination:
- Eine charakterstarke Serifen-Schrift für Überschriften (wirkt edel, traditionell, ärztlich).
- Eine klare, moderne Sans-Serif-Schrift für Fließtexte (gut lesbar, modern, effizient).
Diese Kombination deckt meist die Bedürfnisse des „konservativen“ und des „modernen“ Partners gleichermaßen ab.
Bildsprache
Bitte verzichten Sie auf gekaufte Stockfotos von lachenden amerikanischen Ärzten mit blendend weißen Zähnen, die einen Apfel halten. Das wirkt in Wien unglaubwürdig. Patienten wollen sehen, wer sie behandelt.
Wir empfehlen ein professionelles Shooting an einem Tag. Wichtig dabei: Gleiches Licht, gleicher Hintergrund, gleicher Bildstil für alle Ärzte. Auch wenn Dr. Müller lieber im Anzug und Dr. Bauer lieber im Kasack arbeitet – der Bildstil (Color Grading, Belichtung) hält alles zusammen. Diese authentischen Bilder sind ein Kernstück unseres individuellen Webdesigns.
Der Prozess bei Klaax: So bringen wir Sie zusammen
Vielleicht fragen Sie sich: „Wie sollen wir das zeitlich schaffen? Wir stehen den ganzen Tag im OP oder in der Ordination.“
Genau deshalb haben wir unseren Prozess auf maximale Effizienz für Mediziner ausgerichtet. Wir benötigen keine stundenlangen Meetings in Ihrem oder unserem Büro. Klaax operiert remote – das spart Ihnen Anfahrtswege und uns Overhead-Kosten, die wir lieber in die Qualität Ihrer Website investieren.
Unser Ablauf für Gemeinschaftspraxen:
- Digitales Briefing: Sie füllen (jeder für sich oder gemeinsam) unseren strukturierten Fragebogen aus.
- Discovery Call (Video): Wir besprechen in einer kompakten Videokonferenz die Diskrepanzen und Gemeinsamkeiten. Wir fungieren hier oft als neutrale Berater und Mediatoren zwischen den Design-Wünschen der Partner.
- Design-Entwurf: Wir erstellen nicht drei mittelmäßige Varianten, sondern ein durchdachtes Konzept, das die strategischen Ziele aller Partner vereint.
- Umsetzung: Nach Ihrer Freigabe rollen wir das Design auf die Website, Google My Business und (auf Wunsch) auf Drucksorten aus.
Fazit: Ein starkes Design ist der Kitt, der die Praxis zusammenhält
Corporate Design für Gemeinschaftspraxen ist die hohe Kunst des Kompromisses, ohne kompromittierend zu wirken. Es geht darum, eine visuelle Heimat für verschiedene Persönlichkeiten zu schaffen. Wenn dies gelingt, wird die Marke stärker als die Summe ihrer Teile.
Eine professionelle Website und ein durchdachtes Branding sorgen nicht nur für mehr Privatpatienten und passende Bewerber, sondern auch für inneren Frieden im Ärzteteam. Jeder fühlt sich repräsentiert, aber alle ziehen an einem Strang.


